Makroskopische Sichtweise
Mikroskopische Sichtweise

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Wenn man über WKA's spricht, wird hauptsächlich mit zwei Dingen argumentiert: Verringerung des CO2 Ausstoßes und damit verbunden eine Reduzierung des Treibhauseffektes, sowie mit der Endlichkeit fossiler Brennstoffe, wie Kohle, Gas oder Uran. In den letzten Wochen wird aufgrund des hohen Ölpreises auch vermehrt suggeriert, dass Windkraft auch dieses Problem lösen kann. Dieser Zusammenhang will dem aufgeklärten Bundesbürger allerdings nicht so recht in den Kopf, denn Windkraft hat von der Natur her nichts mit Öl zu tun. Die Energie erzeugenden Anlagen arbeiten heute mit Kohle, Gas oder Uran und wir denken, der Anteil von Dieselgeneratoren an der bundesweiten Stromversorgung ist doch eher gering.

Kommen wir also zurück zu den beiden Kernproblemen: CO2 Ausstoß und die Endlichkeit fossiler Energien. Beide Argumente sind absolut valide und stellen die moderne Welt, aber mehr noch die kommenden Generationen vor ein großes Problem. Auch besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Strom- / Wärmeerzeugung und fossilen Brennstoffen und somit auch zwischen der Strom- / Wärmeerzeugung und dem CO2 Ausstoß.



Windkraft als Allheilmittel zur CO2 Reduzierung

Wie man der oberen Grafik entnehmen kann, entsteht das meiste CO2 bei der Energieerzeugung / -umwandlung. Unsere Bundesregierungen haben nun den Ansatz gewählt, die Erzeugungsart zu ersetzen und machten sich für die Windenergie stark. Selbstverständlich hat man nach und nach auch andere erneuerbare Energieformen, wie z.B. Biomasse und Solar, hinzugenommen, doch die Hauptstoßrichtung war und ist die Windenergie.

Hier stellt sich allerdings die Frage, ob der gewählte Ansatz in sich richtig ist. Die Grafik spricht von Energieerzeugung und Umwandlung. Dies umfasst allerdings jegliche Energieerzeugung und nicht nur Strom. Strom hat nur einen Anteil von 25% an unserem gesamten Energieverbrauch. Das bedeutet, dass man sich bei der CO2 Reduzierung auf einen kleinen Bereich konzentriert und die anderen, größeren Potentiale weitestgehend unberücksichtigt lässt.

Aber folgen wir der Argumentation der Bundesregierung und konzentrieren uns auf den Bereich Stromerzeugung.

Grundsätzlich basiert die Idee der Windkraft auf der Annahme, dass man fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energie (hier Wind) ersetzt. Dieser Ersatz allerdings bekämpft vielleicht die Wirkung aber nicht die Ursache. Denn die liegt in unserem Energieverbrauch auf ständig steigendem Niveau begründet. Wäre es nicht vielversprechender, wenn man sich zuerst darauf konzentrieren würde, den Energieverbrauch, hier im Sinne von Stromverbrauch, zu reduzieren? Ein sehr interessanter Artikel in der Zeitung "Die Zeit" im Juli 2003 beschäftigt sich genau mit diesem Thema.

Der Autor kommt hier zu dem Schluss, dass man mit Leichtigkeit 20 - 30% Strom in Industrie und Haushalten einsparen kann, ohne Einbußen hinsichtlich der Lebensqualität hinzunehmen.

Zum Vergleich: Windenergie erzeugte im Jahr 2004 25 Mrd. KWh Strom (4% des Gesamtstromverbrauches) und erzielte hierdurch eine CO2 Einsparung von 21,4 Mio. t (Angaben: BMU). Diesen Angaben zufolge hatten wir 2004 in Deutschland einen Gesamtenergieverbrauch von 625 Mrd. KWh. Wenn man von einer nur 10%igen Stromeinsparung ausgeht, käme man auf ca. 62,5 Mrd. KWh. Wenn man den tatsächlichen Stromverbrauch und die mögliche 10%ige Einsparung ins Verhältnis setzt, müsste sich bei der Einsparungsmethode ein CO2 Potenzial von 53,5 Mio t ergeben. Allein durch diese Maßnahme könnte Deutschland schon heute die Auflagen des Kyoto Protokolles erfüllen und noch so ganz nebenbei tatsächlich Atomkraftwerke schließen, was mit der Windkraft bisher nicht gelungen ist und auch nicht gelingen wird.

Hier stellt sich die Frage, warum man sich bei der CO2 Reduzierung fast ausschließlich auf die Windkraft verlässt und nicht vielversprechendere Wege, wie z.B. den der Energieeinsparung, geht?

Regenerative Energien haben sicherlich ein gewisses Potential den oben beschriebenen Herausforderungen zu begegnen. Aber warum hat man sich nicht von Anfang an auf die Energien konzentriert, deren Regeneration man besser steuern kann, wie z.B. Biomasse, Erdwärme oder Kraft-Wärme-Kopplung?

Wieso unterstützt man die Wind und Solar Energien, die

a) aufgrund ihrer Abhängigkeit von Witterungseinflüssen schlecht zu kalkulieren sind und dadurch
b) hohe Folgeinvestitionen bedingt durch Stromnetzausbauten und teuren Spitzenstrom zur Regelung der Stromversorgung benötigen, was dazu führt, dass
c) die CO2 Einsparungen nur minimal ausfallen, aber im Gegenzug dem Endverbraucher Zusatzkosten entstehen?

Warum schreibt man den Energieversorgern nicht einfach vor, einen bestimmten Prozentsatz durch regenerative Energie zu erzeugen? Dann würden sich die wirtschaftlichsten Technologien von selbst heraus kristallisieren. Ohne Subventionen, bzw. überhöhte Einspeisevergütungen.

Auch die oft erwähnten 120.000 Arbeitsplätze (Angaben: BMU), die in und durch die Windenergie entstanden sind, wären bei diesem Weg wahrscheinlich um einiges höher ausgefallen und nicht in dem Maße von "Einspeisevergütungen" abhängig, wie es heute der Fall ist. Das Bundeswirtschaftsministerium berichtet in seinem Energiebericht aus dem Jahre 2002, dass jeder der zu diesem Zeitpunkt 35.000 Arbeitsplätze in der Windindustrie mit je € 150.000,- subventioniert wurde. Bei einer geschickteren Gesetzgebung zur Stromeinsparung wären weit mehr, nicht subventionierte, Arbeitsplätze in vielen Industriezweigen, Zulieferbetrieben und Handwerk und nicht nur in einer Industrie entstanden.

Windkraft und das absehbare Ende der fossilen Energien

In der Diskussion um die Windkraft geht es in der Hauptsache um eine Sekundärenergie: Den Strom. Sekundärenergie deshalb, weil Strom an sich in der Natur nicht vorkommt, sondern irgendwie erzeugt werden muss. Hierzu wurden in der Vergangenheit ausschließlich fossile Brennstoffe (Erdgas, Kohle) und Uran eingesetzt. Diese werden nun teilweise durch regenerative Energien ersetzt. So weit so gut.

Eine Studie des Mineralölproduzenten BP (British Petrol) aus den Jahre 2002 kommt zu dem Schluss, dass bei gleichbleibendem Energieverbrauch unsere fossilen Brennstoffe folgendermaßen zur Neige gehen werden:

Erdöl: 40,3 Jahre
Erdgas: 61,9 Jahre
Kohle: 216 Jahre

Angesichts dieser Zahlen stellt sich doch wieder die Frage, warum unsere Bundesregierungen ihren Hauptfokus auf die Windkraft gelegt haben, wo doch unser eigentliches Problem bei den zur Neige gehenden fossilen Brennstoffen liegt. Erdöl findet heutzutage Anwendung in den unterschiedlichsten Bereichen. Individualverkehr und Wärmeerzeugung ist sicherlich jedem geläufig, aber darüber hinaus ist Erdöl ein wichtiger Rohstoff für z.B. die chemische oder pharmazeutische Industrie und damit eigentlich zu kostbar, um es einfach zu verbrennen.

Warum konzentriert man sich auf die Windkraft, die aufgrund der sehr niedrigen Effizienz keine Problemlösung bringen kann, anstatt sich auf die Suche nach Lösungen für das Hauptproblem zu begeben? Lösungen könnten regenerative Brennstoffe für den Individualverkehr und die Wärmeerzeugung sein. Ansätze gibt es inzwischen, wie z.B. die effizientere Herstellung von Biodiesel oder Holzpellet-Heizungen.

Der Windkraftbefürworter wird jetzt antworten, dass die Windkraft hilft die fossilen Brennstoffe Erdgas und Kohle einzusparen und zudem noch den Atomausstieg beschleunigen wird. Dies löst zwar nicht das Ölproblem, aber schauen wir uns doch mal an, was die Windkraft in diesen beiden Bereichen für uns tun kann.

Das Potential der Windkraft in Deutschland

Es gab im Jahre 2004 16.543 WKA's in Deutschland, die in einem durchschnittlichen Windjahr rund 5% (angenommen, IST 2004: 4,1%) des Bruttostromverbrauches lieferten. Das Ziel der Rot-Grünen Bundesregierung ist (war) im Jahre 2025 den Anteil der Windenergie am Bruttostromverbrauch auf 25% anzuheben. Dies würde bedeuten, dass der CO2 Ausstoß um 10% vermindert würde (Quelle: BMU). Zur Erinnerung: Dieses Ziel ließe sich dadurch erreichen, dass man einfach 10% des heutigen Stromverbrauches einsparen würde.

Das bedeutet, dass wir rechnerisch im Jahre 2025 82.715 Windkraftanlagen in Deutschland hätten. Allerdings muss man in die Rechnung einbeziehen, dass die Standorte mit der besten Windhöfigkeit bereits 1999 besetzt waren, man bis 2002 die zweitrangigen Lagen besetzt hatte und seit 2003 die drittrangigen Gebiete bebaut werden. Die zweit- und drittrangigen Gebiete haben den Nachteil, dass die Windhöfigkeit entweder nicht konstant genug oder zu schwach ist und damit die Stromerzeugung unter den Referenzwerten der Anlagen bleibt. D.h. es werden tendenziell eher mehr als 82.715 WKA's notwendig sein, um das Ziel von 25% in 2025 zu erreichen. Selbstverständlich weisen die neuen WKA's größere Nennleistungen auf als die Anlagen, die in den 90er Jahren installiert wurden. Dies wird allerdings aufgrund der geringen Windhöfigkeit der noch verbliebenen möglichen Standorte nicht zu einem exponentiellen Anstieg der erbrachten Gesamtleistung führen, sodass die genannte Zahl von knapp 83.000 WKA's als realistisch anzusehen ist.

Angesichts der wachsenden Sensibilität in der Bevölkerung gegenüber WKA's darf bezweifelt werden, dass sich solch eine hohe installierte Basis tatsächlich realisieren lässt.

Dieses Problem wurde inzwischen auch von den Verantwortlichen erkannt und entsprechend reagiert. Mit einer Abwendung von der Windkraft? Nein, natürlich nicht. Die Planung und Erstellung von WKA's im Binnenland geht weiter, aber nun sind Re-Powering und Off-Shore die Mittel, um das Ziel zu erreichen. Re- Powering bedeutet nichts anderes, als bestehende Anlagen durch neue (und höhere) zu ersetzen. Off- Shore heißt die Installation von Windparks in Küstennähe. Dies scheint sich offensichtlich sehr schwierig zu gestalten, da die Umweltbedingungen weit vor den Küsten besondere Anforderungen an die Anlagen stellen, die heute noch nicht gelöst sind. Weiterhin werden diese Off-Shore Anlagen massive Probleme hinsichtlich der Stabilität des deutschen Stromnetzes mit sich bringen, sowie mehr Reserve-Kraftwerke erfordern, die einerseits in windarmen Zeiten sehr teueren Spitzenstrom erzeugen werden und andererseits in der Hauptsache Erdgas-Kraftwerke sein werden, was dem CO2 Ausstoß nicht unbedingt zuträglich sein dürfte.

Mehr Informationen zum Thema Off-Shore Anlagen finden sie hier:

Studie des Gauss Projektes, Off-Shore ab Seite 22 [2.174 KB]

Studie von Energie - Fakten

Besonders interessant ist die Lektüre der Studie von Energie und Fakten, denn diese ist die Interpretation der dena (Deutsche Energie Agentur, einem Institut, dass von der Rot-Grünen Bundesregierung gegründet und bezahlt wird.) Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Off-Shore Windparks erhebliche Folgekosten nach sich ziehen werden und der Nutzen, gemessen an der Verringerung des CO2 Ausstoßes nur gering sein wird. Interessanter Weise kann man die Studie bei der dena (www.dena.de) nicht mehr einsehen.

Angesichts dieser Zahlen erscheint es mehr als fragwürdig, ob Windkraft tatsächlich Einfluss auf die Einsparung fossiler Brennstoffe hat und den CO2 Ausstoß reduzieren kann. Denn alle Szenarien sehen für windarme Zeiten (und das sind im Binnenland zwischen 80% und knapp 90% der Zeit) die Versorgung mit Spitzenstrom, bzw. Regelenergie aus konventionellen Kraftwerken vor. Je mehr Spitzenstrom gefragt ist, desto mehr werden die Energieversorger auf Erdgas betriebene Kraftwerke umschwenken, da diese von allen Anlagen am schnellsten an- und wieder herunter gefahren werden können. D.h. die Windkraft trägt hier indirekt dazu bei, den Verbrauch von Erdgas zu erhöhen. Eigentlich das Gegenteil dessen, was Windkraft bezwecken soll. Leider war es uns nicht möglich, Statistiken zu finden, die die durch WKA's realisierte CO2-Einsparung mit dem CO2 Mehraufwand durch die Reserve- und Regelkraftwerke in ein Verhältnis setzen. Weiterführende Informationen zum Thema "Reservekraftwerke" finden Sie hier.

Auswirkung auf den Strompreis

Damit einhergehen wird, entgegen den Aussagen der Windkraftbefürworter, dass eine Verteuerung des Stromes für den Endverbraucher unvermeidbar ist. Auch wenn die Einspeisevergütung nach EEG in den nächsten Jahren abnehmen sollte (diese beträgt momentan 8,53 Cent pro KWh für die ersten 5 Jahre, danach 15 Jahre lang 5,39 Cent), lassen sich die Energieversorger die Regelenergie teuer bezahlen.

Denn hierfür sind kostenintensive Regelanlagen erforderlich und die Energie wird nur in Notzeiten (wenn eine Differenz zwischen dem durch WKA's erzeugten und dem tatsächlich benötigten Strom besteht) bedarfsgerecht erzeugt. Dies macht diesen Strom zu so genanntem "veredelten Strom", den sich die EVU's (Energie Versorgungsunternehmen) entsprechen vergüten lassen.

Die EVU's sind übrigens verpflichtet, eine Versorgungssicherheit von 99% sicher zu stellen. D.h. man muss die gleiche Versorgungskapazität vorhalten, wie die vorhandenen WKA's liefern könnten. Damit steigt die Anzahl der konventionellen Kraftwerke parallel zu den steigenden WKA- Installationen.

Ein weiterer Kostenblock, der den EVU's aufgebürdet wird, ist der notwendige Netzausbau, um die Einspeisungen der zusätzlich geplanten WKA's aufzunehmen und zu regeln. Die Einzelheiten hierzu werden hier [167 KB] diskutiert. Keine Frage, dass die EVU's diese Kosten auf den Endverbraucher umlegen werden sollte es tatsächlich zu diesem Szenario kommen. Einige Techniker und Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei einer Starkwindphase schon heute die Gefahr von Netzzusammenbrüchen, bedingt durch den eingespeisten Strom, besteht. Hierzu haben wir allerdings keine glaubwürdigen Quellen gefunden.

Fazit

Windenergie hilft nicht bei der Lösung der anstehenden Probleme "CO2 Reduktion" und "Ende der fossilen Brennstoffe", im Gegenteil, sie erzeugt sehr hohe Kosten, die allein von den Bürgen getragen werden müssen.

Daher fordern wir

die Beendigung der Einspeisevergütung nach EEG

die Beendigung der Privilegierung der Windenergie

die Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen für den Individualverkehr, für die konventionelle Energieerzeugung und die Industrie

die Förderung von Energieeinsparmaßnahmen in Industrie und privaten Haushalten

die stärkere Berücksichtigung anderer regenerativer Energiequellen